Segelflug-Bulletin 7/8/14

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Die Meister sind gekürt Segelflug Schweizermeisterschaften in Montricher

Ab Freitag, 23. Mai, trafen sich die besten Segelflugpiloten der Schweiz in Montricher, um die Podestplätze der Schweizermeisterschaften unter sich auszumachen. Präsident Pascal Duport und Wettbewerbsleiter Didier Kuttel eröffneten den Wettkampf mit dem ersten Briefing. Unterstützt von einem Heer von freiwilligen Helfern der Clubs von Genf und Waadt erwartete die 38 Piloten aus allen Teilen der Schweiz eine erstklassige Organisation. Sie traten in der 15-m-, der 18-m- und der Offenen Klasse an.

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Briefing

Ersatzbeschäftigungen statt fliegen

Am Samstagmorgen erfolgten die ersten Starts. Die Pilo- ten der drei Klassen und ihre Rückholer betankten ihre Maschinen mit Ballastwasser, polierten sie und bereiteten die Cockpits vor. Ein emsiges Treiben, das daran erinnerte, dass der Segelflug auch ein Spitzensport ist! Der Tag fing gut an und die Piloten geduldeten sich bis zum letzten Moment, als sie endlich erfuhren, welche Prüfung sie zu fliegen hatten. Es sollte eine «AAT»-Aufgabe sein, bei welcher der Pilot seinen Flugweg innerhalb einer Mindestwettkampfzeit in zugewiesenen Sektoren frei wählen kann. Von Brassus nach Moutier über Freiburg – wobei der grösste Teil der Strecke über den Greyerzbezirk führte – konnte mit Zweifeln, Freude und Erleichterung ein herrlicher Tag abgeschlossen werden, an dem einige Piloten bis zu fünf Stunden in der Luft waren!

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Mise en piste

Der Sonntag war eher durchzogen und das Wetter liess lediglich ein kleines Zeitfenster offen, sodass nur eine Klasse starten konnte. Die Offene Klasse erzielte dennoch bei wenig Sonne einen guten Durchschnitt. Die anderen Piloten verfolgten die Prüfung über das Online-Tracking auf dem Grossbildschirm im Hangar.

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Météo au top

Die Wetterkapriolen am Montag und Dienstag liessen alle Klassen am Boden stehen. Der Optimismus der Meteorologen allein reichte nicht aus, um das Wetter bessern zu lassen. Die Teilnehmer waren daher zu Ersatzbeschäftigungen eingeladen wie beispielsweise Bowling, Wandern oder einem Besuch des Juraparc.

Nur eine Frau im Teilnehmerfeld

Ab Mittwoch war die Truppe wieder frohen Mutes, obwohl es noch vier Stunden Wartezeit neben den Maschinen zu überbrücken galt. Für eineinhalb Stunden Prüfungen unter schwierigen Witterungsbedingungen wurde schliesslich um 17 Uhr die Startlinie freigegeben. Die meisten schlugen sich recht gut, und es wurde ein neuer Wertungstag für die 15 m- und 18 m-Klasse. Erwähnung verdient die Entschlossenheit des Wettbewerbsleiters, der Teilnehmer und der Meteorologen – und deren Geduld, denn ohne sie wäre dieser Wettbewerb nicht möglich gewesen.

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Arrivée des ouvertes

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Arrivée des 18m

Nach langem Warten auf gutes Wetter waren am Donnerstag dann endlich die Voraussetzungen für längere Wettkämpfe gegeben. Ein Tag der Entscheidung, an dem Kenntnisse der Region, durch die eher tiefen Basen und einem für den Hangflug in den Tälern des Jura günstigen Nordwestwind, gewiss eine grosse Rolle spielte. Die Bilanz des Tages war ein schönes Rennen, das die Gesamtwer- tung verschob; insbesondere für Christine Bürki, die ein- zige Frau dieser SM, die in der Prüfung den dritten Platz belegte. Das wird allen Pilotinnen ein Ansporn sein, die- ses immer noch zu männliche Wettbewerbsumfeld umzu- krempeln.

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Buffet royal

In der Nacht stellte sich ein kalter Nordostwind ein. Die Wettkampfstrategie am Freitag bestand deshalb darin, möglichst hoch zu bleiben, um die zerrissene Thermik der tiefen Schichten unter dem Wind zu meiden. Mit ein paar Aussenlandungen einiger Pechvögel ging ein schöner Tag vor dem letzten Wettkampf zu Ende. Da die Punkte der Piloten dicht beieinander lagen, wurde im wichtigsten Segelflugwettbewerb des Jahres hart gekämpft!

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Podium des 15m

Fünf Prüfungen in acht Tagen

Der Samstag versprach ein schöner letzter Wettkampftag mit kräftigem Wind zu werden. Die Teilnehmer erwartete nach vier Flugtagen eine letzte AAT-Etappe in jeder Klasse, um endlich den Schweizermeister 2014 zu ermitteln. Mit Durchschnittsgeschwindigkeiten, die bei den Schnellsten bis 126,6 km/h reichten, konnten die Teilnehmer in diesem Rennen die letzten Punkte sammeln. Mit diesem herrlichen Tag ging eine aufgrund der wechselnden Wetterverhältnisse für die Piloten technisch anspruchsvolle Schweizermeisterschaft zu Ende. In den acht geplanten Tagen wurden fünf Prüfungen in allen drei Klassen geflogen, was der Hartnäckigkeit des Wettbewerbsleiters und der Meteorologen zu verdanken ist. Zudem sorgte die gute Disziplin dafür, dass die Sicherheit gewährleistet war und es nur einige kleine Materialprobleme zu beklagen gab.

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Podium des 18m

Schweizermeister sind gekürt

Am Sonntagmorgen wurden die Besten bei strahlendem Sonnenschein mit Preisen in Form von attraktiven Uhren der Marke Hamilton belohnt. Die Schweizermeister 2014 sind Richard Hächler in der 15-m-Klasse, Marcel Dünner in der 18-m-Klasse und Markus Gäumann in der Offenen Klasse.

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Podium de la classe ouverte

Damit ging ein sehr schönes Fest zu Ende, das einmal mehr durch eine beispielhafte Organisation überzeugte – sowohl seitens des Flugdienstes als auch seitens der Leitung.

Maxime Petitpierre

Detaillierte Infos und Rangliste sowie Informationen auf Französisch: www.cs2014.ch / www.cs2014.ch/fr/


Segelfliegen erhält jung Segelkunstflug Schweizermeisterschaften in Locarno

Manfred Echter und Jochen Reuter durften sich auf dem Flugplatz Locarno als Segelkunstflug Schweizermeister feiern lassen. Für die Organisation der SM zeichneten die GVV Ticino (GVVT) mit OK-Präsident Daniel Pfammatter und die SAGA verantwortlich. Die SM wurde Ende Mai im Rahmen des „Cielo aperto“ -100 Jahre Schweizer Militärluftfahrt und 75 Jahre Flugplatz Locarno – durchgeführt

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Am Wettbewerb, der in den Kategorien Advanced und Unlimited ausgetragen wurde, nahmen zwei Pilotinnen und zwölf Piloten teil. Das Spektrum der Flug- und Wettbewerbserfahrung war ebenso unterschiedlich, wie der Jahrgang der Konkurrenten. Zwischen dem ältesten und dem jüngsten Teilnehmer bestand ein Altersunterschied von 54 Jahren.

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Titelverteidiger entthront

In der Kat. Advanced war Martin Götz als Titelverteidiger angetreten. Nach der bekannten Pflicht führte er das Klassement an. Auch die unbekannte Pflicht 1 beendete Martin Götz als klarer Leader.

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Aber in der Kür und in der dritten Unbekannten konnte sich der 73-jährige Manfred Echter ein Punktepolster schaffen, das schliesslich für den Gewinn des Schweizermeistertitels reichte. „Segelfliegen erhält jung“ so der Leitsatz des Teamseniors.

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Die Bronzemedaille ging an Daniela Nowak (SG Freiburg). Sie klassierte sich in der bekannten Pflicht und in der Kür auf dem dritten Rang. In den drei folgenden Durchgängen musste sie ihren Kameraden den Vortritt lassen.

Der erst 19-jährige Debütant Samuel Steuerwald zeigte nach einem verhaltenen Auftakt eine souveräne Leistung. Die unbekannten Pflicht 2 dominierte er sogar mit 49 Punkten Vorsprung auf Manfred Echter, und im letzten Durchgang belegte er Rang drei. In der Endabrechnung klassierte er sich auf Platz vier mit 30 Punkte Rückstand auf Daniela Nowak.

„Sämi“ besitzt seit 2012 das Segelflugbrevet und hat erst vor einem Jahr die Segelkunstfluglizenz erworben. Bei Beginn der SM hatte er 120 Segelflugstunden und 400 Landungen. Sein grosses Vorbild ist sein Fluglehrer Manfred Echter!

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Deutschland gegen Italien

Dabei handelt es sich für einmal nicht um Fussball. In der Kategorie Unlimited, mit total sechs Teilnehmern, konnte Marius Fink den Titel nicht verteidigen. Hier richteten sich aller Augen auf den 24-jährigen Weltmeister Luca Bertossio aus Italien, welcher seine Programme übrigens auf dem SAGA-Fox flog. Aber mit Wolfgang Kasper aus dem Nordschwarzwald hatten sowohl die drei Schweizer als auch Bertossio nicht gerechnet. Er dominierte drei von sechs Durchgängen und hatte lediglich in der unbekannten Pflicht 3 einen Einbruch.

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Knappe Entscheidung

Jochen Reuter landete nach der bekannten Pflicht auf dem sechsten Rang. Dank einem zweiten Platz in der Kür und in der ersten Unbekannten konnte er sich im Klassement nach vorne arbeiten. Auch Reuter erlitt in der Unbekannten 3 einen Rückschlag, löste die Aufgabe aber besser, als Wolfgang Kasper. Luca Bertossio hatte mit den schwierigen Figurenkombinationen am wenigsten Probleme und lag nach fünf Durchgängen noch mit 188 Pkt. Vorsprung auf den Deutschen in Führung.

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Im letzten Flug, ebenfalls eine unbekannte Pflicht, zeigte der junge Weltmeister Nerven. Er handelte sich 194 Pkt. Rückstand auf Wolfgang Kasper ein, und dieser sicherte sich mit knappen sechs Punkten Vorsprung die Goldmedaille. Luca Bertossio freute sich trotzdem über die Silbermedaille. Jochen Reuter verteidigte seinen dritten Platz auch im letzten Durchgang und wurde damit verdient Schweizermeister.

Der kameradschaftliche „Luftkampf“ um das Edelmetall war in beiden Kunstflugkategorien äusserst spannend. Siehe Rangliste unter: www.segelfliegen.ch / www.sagach.ch

Tolle Preise

Dem Sieger der Kat.Unlimited wurde von Tiziano Ponti, Komandant der Luftwaffenbasis Locarno, ein Gutschein für eine Ausbildungs-Session auf dem Superpuma Simulator der Schweizerischen Luftwaffe in Emmen überreicht, während der Sieger der Kat. Advanced einen Gutschein für einen Schnupperkurs auf Hubschrauber der SwissHelicopters entgegennehmen konnte.

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Aufgabe mit Bravour gemeistert

Nicht nur die Wettbewerbspiloten verdienten an der Siegerehrung einen grossen Applaus. Auch OK-Präsident Daniel Pfammatter und sein Team der GVVT haben die Aufgabe kompetent und mit Bravour gelöst. Es wäre super, wenn auch in Zukunft wieder einmal eine SM in Locarno durchgeführt werden könnte. Dass es mit gegenseitiger Rücksichtnahme und einer guten Koordination unter den verschiedenen Flugplatznutzern möglich ist, wurde vor allem am letzten Tag der SM deutlich bestätigt, als sich Fallschirmspringer und Segelkunstflieger den Luftraum abwechslungsweise geteilt haben.

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Nicht zu vergessen sind die Punktrichter und ihre Helfer unter Chief Judge „Pik“ Philippe Küchler. Ihre genauen Beobachtungen, die faire Benotung und die Ausdauer, stundenlang „im Gebüsch“, bzw. am PC zu sitzen, waren einmal mehr bewundernswert. Sie haben die Programme stets fair bewertet. (Ersatz für grüne Version).

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Die gute Kameradschaft, die südliche Atmosphäre, die einmalige Kulisse und die idealen Wetterbedingungen sorgten für beste Stimmung während des Wettbewerbes.

Lucretia Hitz / Übersetzung: Daniel Pfammatter

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