Segelflug Bulletin 2/15

Segelflugkonferenz 2014

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Das Velodrome Grenchen bewies am 22.11.2014, dass es sich sehr gut für die Durchführung der Segelflugkonferenz eignete. Der Segelfluggruppe Solothurn war es gelungen, viele Aussteller in die grosszügige Halle zu locken und so präsentierte sich an diesem Morgen inmitten der Radrennbahn den eintreffenden Segelfliegern eine attraktive Ausstellung der neuesten Produkte der verschiedenen Hersteller.

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Auf grosses Interesse stiessen natürlich die mit FES ausgerüsteten Flugzeuge von Silent und Schempp-Hirth, aber auch im neuen Doppelsitzer von Schleicher oder im grazilen Archaeopteryx waren Sitzproben sehr begehrt. Auch die Hersteller von Instrumenten und Zubehör konnten sich nicht über mangelndes Interesse beklagen.

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Um 09.30 Uhr – der Ausstellung konnte man sich ja über Mittag nochmals widmen – eröffnete OK-Präsident Marcel Egli die SFK 2014 mit über 250 Teilnehmern. Für die Nachmittagsveranstaltungen stellten sich dann noch weitere 50 interessierte Zuhörer ein.

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Prominenz aus Politik und Verwaltung ergriffen die Gelegenheit, sich mit verschiedenen Anliegen an die versammelten Segelflieger zu richten.

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Die Chancengleichheit in der fliegerischen Ausbildung sei nicht gewährleistet, deshalb müsse Segelflug als weitere Sportart im J+S angeboten werden. Das forderte Peter Brotschi, Kantonsratspräsident, Aviatikjournalist und ehemaliger Chefredaktor der AeroRevue in seiner Begrüssungsansprache.

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Wer von den Anwesenden hatte nicht schon den Kopf geschüttelt ob all der Weisungen, Anordnungen und Änderungen aus der EU? BAZL-Direktor Peter Müller betonte in seiner Rede, dass sein Amt sich sehr wohl gegen die EASA-Regelungsflut stemme. Die negativen Kommentare bezüglich Transponderpflicht würden ernst genommen.

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Andererseits wies er nachdrücklich darauf hin, dass 3,4 Tote auf 100’000 Starts zu viel seien und „abenteuerliche“ Luftraumverletzungen durch Segelflugzeuge das Image nachhaltig schädigen würden.

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BAZL und NSFV seien nicht immer gleicher Meinung, nahm Xappi Mäder den Ball auf. Die Zusammenarbeit in Ausbildungsfragen sei aber gut. Auch die Einführung von TMZ (Transponder Mandatory Zones) im Anflugbereich grosser Flughäfen sei durchaus sinnvoll, um Luftraum für den Segelflug zu bewahren.

IMG_0007 Klare Worte fand der Verbandspräsident für die geplanten Vergrösserungen von TMA und CTR Bern: Aus Sicht des SFVS unnötig, unverhältnismässig, untauglich.

Ausgezeichnet in Szene zu setzen vermochten sich die Junioren mit ihrem geschlossenen Auftritt.

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Mario Straub hielt einen Rückblick auf die Anlässe und Wettbewerbserfolge des abgelaufenen Jahres und konnte auch Erfolge bei der Suche nach Sponsoren präsentieren. (www.juniorgliding.ch)

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Die sportlichen Leistungen wurden in angemessenem Rahmen von Edi Inäbnit vorgenommen und die Pokale den neuen Rekordinhabern überreicht.

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Die Ranglisten sind auf der Webseite des Verbandes einzusehen. Für die Veteranen übernahm Manfred Küng die Übergabe der Förderungs-, Aufmunterungs- und Damenförderungspreise und leitete so gleich zur Mittagspause über.

Urs Brühlmeier

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Limitierungen im Segelflug

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In der ersten Nachmittagsveranstaltung zeigte René Meier, der Präsident des Regionalverbandes AeCS Grenchen, mit viel Humor und Sachverstand all die Limitierungen auf, welche den Segelflug in der Schweiz behindern.

Müssen die Segelflieger sich naturgemäss schon mit den meteorologischen und topographischen Widrigkeiten abfinden, gesellen sich die menschgemachten noch dazu: Politische -, amtliche -, technische -, operationelle – und wirtschaftliche Limitierungen. Und trotzdem – oder erst recht! – wird geflogen.

Positiv wäre anzuführen, dass der nationale Spielraum inzwischen doch genutzt wird.

Dass die Agenda bei den politischen Limitierungen nicht nur von ICAO, EU, EASA und Dutzenden Kommissionen bestimmt wird sondern auch noch von den in der Schweiz lebenden acht Millionen Sachverständigen wirkt sich hingegen nicht gerade förderlich auf die Ausübung unserer Lieblingsbeschäftigung aus. René Meier machte auch auf den begrenzten Einfluss des BAZL aufmerksam: «Meinten wir doch, Flugplätze seien Sache des Bundesamtes, mussten wir feststellen, dass Raumpläne, kantonale Richtpläne und Zonenpläne der Gemeinden entscheidend beim Betrieb mitbestimmen.»

Aber gibt es neben all den Einschränkungen auch hinausgeschobene Grenzen? Da konnte der Referent darauf hinweisen, dass mit dem „Hinausschschieben von Limiten“ sich schon viel getan habe. Aerodynamik, Avionik oder Eigenstartfähigkeit ermöglichen uns teilweise erst, mit den operationellen Limitierungen – Luftraum! – umzugehen. Die Kostenfolgen der technischen Vorgaben, Zusatz- und Neuausrüstungen lassen uns aber häufig wieder an neue Grenzen stossen.


Project Perlan

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Mit einem Segelflugzeug in Höhen vorstossen, die selbst ein Strahlflugzeug nicht erreichen kann? Dieses ehrgeizige Ziel verfolgt das Perlan-Team um Einar Enevoldson und Morgan Sandercock. Beide waren am Nachmittag im Velodrome in Grenchen anwesend, um von ihrem Projekt zu erzählen. Steve Fossett, bekannt geworden durch seine Solo-Erdumrundungen in Ballon und Flugzeug und Einar Enevoldson, Jet- und Testpilot der Air Force und leidenschaftlicher Segelflugpilot sein ganzes Fliegerleben lang, gelang es, sich 2006 in in den Leewellen der Anden mit einer DG-505M den Höhenweltrekord für Segelflugzeuge mit 15’640 m zu sichern. In der DG hatte man den Motor ausgebaut, um das Gewicht der Modifikationen und der beiden von der NASA geliehenen Raumanzüge zu kompensieren. Defekte im Raumanzug und die auf dieser Höhe schwierig zu steuernde DG stellten den Erfolg lange in Frage.

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Dieser Segelflugweltrekord soll aber nur ein Zwischenziel sein, man will höher hinaus und den Höhenrekord der SR 71 Blackbird übertreffen. Angestrebt werden knapp 28’000 Meter.

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Wetterballone haben schon Wellenaufwinde bis auf eine Höhe von 32 Kilometern nachgewiesen. Ob das von Airbus unterstützte Perlan-Team die Pläne verwirklichen kann, werden wir ab Ende 2015 mitverfolgen können. Segelflugzeug mit Druckkabine? Die beiden Referenten schilderten, unterlegt mit vielen Bildern und Grafiken, welche Herausforderungen nur schon der Bau des Perlan 2 mit sich bringt. So wird der ganz aus Kohlefasern gefertigte Rumpf über eine Druckkabine verfügen.

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Swiss Space Systems

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Haben Sie auch schon den Wunsch verspürt, der Erdanziehung zu entfliehen? Dieses Erlebnis lässt sich online als Zero G Experience bei S3 buchen. Die Nachfrage war so gross, dass die Flüge ab Payerne bereits ausgebucht sind!

Hinter dieser Geschäftsidee, die ersten Starts erfolgen übrigens in der 2. Jahreshälfte 2015, steckt die in Payerne ansässige Firma Swiss Space Systems.

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Pascal Jaussi, CEO der 2012 von ihm gegründeten und bereits über 100 Mitarbeiter umfassenden Firma, sprengte mit seinem Referat die Fesseln der Limitierungen endgültig und entführte die Zuhörer gleich an den Rand des Weltraums.

Ein weiteres Geschäftsfeld der Firma mit Chairman Claude Nicollier: Statt mit teuren Raketen, die nach einmaligem Gebrauch ins Meer stürzen, will 3S kommerzielle Satelliten mit einem Airbus und einem suborbitalen SOAR-Shuttle in die Umlaufbahn bringen. Rund sechsmal billiger soll so die Lancierung eines Satelliten werden, von der deutlich geringeren Belastung der Umwelt gar nicht zu reden.

Wenn also schon 2015 hin und wieder in Payerne ein Airbus startet, der huckepack ein suborbitales SOAR-Shuttle auf 10’000 m Höhe bringt, so hat das mit der Firma S3 zu tun. Ab 2018, so die zuversichtliche Annahme von Pascal Jaussi, wird das Unternehmen in der Lage sein, Kleinsatelliten kommeziell in den Orbit zu bringen.

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